Sonntag, 6. Januar 2013

Tage wie dieser...

.... Manches Mal, hat Frau einen Traum, eine Illusion oder Vorstellung davon, wie Familienleben so auszuschauen hat. Gerne wird durch diverse Medien ein schönes Bild gezeichnet, doch dann kommt ein Tag wie dieser und Frau befindet sich wieder am Boden der Realität....
Alles begann in der Früh. Ein Arztbesuch stand an. Der liebe Ehemann musste natürlich seiner Pflicht als guter Arbeitnehmer nachgehen und so stand Frau da mit zwei unausgeschlafenen Traummännlein und einem plötzlich viel zu lange schlafenden Baby. Ein Blick auf die Uhr sagt mir, was ich ohnehin schon vermutet hatte - jemand musste sie verstellt haben, denn so spät konnte es doch einfach nicht schon sein! Schnell ein Kind nach dem anderen in Jacke, Stiefel, Haube und Schal gesteckt und zum Auto gebracht. Doch was ist das? Im Auto befindet sich nur 1 (EIN !!!!!) Kindersitz. Also weinendes Baby hin oder her, ich muss noch einmal schnell zurück und noch einen aus dem Haus holen. Eine gefühlte Ewigkeit später befinden sich doch tatsächlich alle 4 im Auto, worauf ich den Motor starte, nur um gleich ein "Bitte tanken!" mitgeteilt zu bekommen. Danke lieber Boardcomputer. Leise verfluche ich meinen Mann, der wohl nicht damit gerechnet hat, dass ich das Auto als nächster wieder verwenden werde müssen. Zum Glück sollte sich noch die Hinfahrt ausgehen. Doch auf halber Strecke teilt mir ein Passagier aus der zweiten Reihe mit, dass sein Bauch weh tut. Mit einem Blick in den Rückspiegel stelle ich fest, die Reisekrankheit hat wieder zugeschlagen und Töchterleins Gesicht hat eine unnatürliche Färbung angenommen. Schnell starte ich ein Ablenkungsprogramm (Kinderlieder in voller Lautstärke) und kurble die Fenster runter. Schließlich befinden wir uns in dem Tunnel, in dem die Abzweigung zur Tiefgarage mit den Besucherparkplätzen sein sollte. Doch auf Grund einer Baustelle ist eine Zufahrt nicht möglich. Die nächsten Parkplätze befinden sich einige (viele) Gehminuten entfernt in einer Kurzparkzone. Dazwischen lasse ich mich noch schnell einmal von einem gestressten Autofahrer anhupen, dem meine Parkplatzsuche offenbar nicht schnell genug zu gehen scheint. Parkscheine befinden sich natürlich in diesem Auto keine, denn heutzutage verwendet Mann (und gelegentlich auch Frau) Mobile Parking. Wie könnte es anders sein? Mein Mobile Parking Guthaben ist aufgebraucht. Immerhin hebt der Gatte brav auf seinem Handy ab und löst das Parkscheinproblem mit seinem Konto.
Ganze 20 Minuten zu spät erreichen wir zersaust und verschwitzt die Arztpraxis, wo wir freundlich darauf hingewiesen werden, dass wir mit einer Wartezeit von mindestens einer halben Stunde rechnen können. Aus dieser wird dann schnell eine ganze Stunde und beim 3. Durchgang lesen sich die einzigen 2 Bücher im Wartezimmer nicht mehr ganz so spannend, was wiederum fast in einer Meuterei endet. Schließlich verlassen wir gegen Mittag die Arztpraxis - hungrig und durstig, um noch schnell festzustellen, dass die Bücherei, und auch die zwei nächstgelegenen, geschlossen hat und wir die Bücher umsonst zusammengepackt und im Kreis geführt haben. Immerhin befinden wir uns auf dem Heimweg, wo ich mitten auf der Autobahn darauf hingewiesen werde, dass die Treibstoffknappheit nach wie vor besteht und immer akuter wird. Einen Umweg später schweigt der Boardcomputer wieder und wird vom weinen des Babys abgelöst, dass durch den Stopp aufgewacht ist. Die Kinder üben sich fortan in ungewohnter Einigkeit und meckern gemeinsam über Durst, Hunger und die Ungerechtigkeit, dass doch tatsächlich das mit Übelkeit kämpfende Kind vorne am Beifahrersitz Platz nehmen darf.
Einen perfekten Abschluss findet dieser Tag darin, dass noch Einkäufe erledigt werden müssen, da wir am späteren Nachmittag Gäste erwarten. Nach den bisherigen Schilderungen, brauche ich wohl nicht mehr zu erwähnen, dass die Gemüsetheke natürlich schon am Vormittag geplündert wurde und dieser letzte Zwischenstopp erfolglos endete.
Und ja da war sie: Kurz blitzte sie auf - die Vorstellung, die das Leben mit Kindern so schön und romantisch erscheinen lässt. Und ich blickte auf meine 3 Kleinen und musste schmunzeln.